Weltkonzert ReligionenZum diesjährigen Weltreligionstag kamen am 15. Januar auch in Trier Vertreter von Christentum, Baha’i,  Judentum und Islam  zusammen, um gemeinsam ein Konzert abzuhalten. Bei der von der Partnerschaft für Demokratie geförderten Veranstaltungen kamen mehr als 200 Besucher in den Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais. Bei Liedern wie „Jeruschalaim“ oder „Hawa nagila“ steht dabei die Gemeinschaft und das Füreinander im Mittelpunkt, wodurch auch an diesem Tag deutlich wurde, dass die verschiedenen Religionen mehr verbindendes als trennendes transportieren. In dem Text zum Stück „Flowers of one Garden“, das von der Baha’i Gemeinde vorgetragen wurde, heißt es beispielsweise: „wir sind Blumen desselben Gartens und Früchte desselben Baumes“. Neben dem musikalischen Programm gab es noch Lesungen von Vertretern der einzelnen Gemeinden.


Das „Welt-Konzert“ wurde durch die Partnerschaft für Demokratie gefördert. Die Partnerschaft für Demokratie ist Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Die Partnerschaft für Demokratie Trier lädt ein zu der Veranstaltung "NSU und Rechtsterrorismus" (Vortrag und Diskussion). Die Veranstaltung findet am 26.01.2017, 20 Uhr im Weltladen, Pfützenstraße 1, Trier statt. Referentin ist Anna Luczak, Anwältin der Nebenklage im NSU Prozess.

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„Eine alte Dame geht heute einkaufen“. Mit diesem Satz sollen sich die Schüler des kostenlosen Gitarrenkurses im Jugendzentrum Auf der Höhe Bezeichnung der Saiten merken. Lehrer Tobias Kranz malt sie dafür auf das Flipchart und wiederholt den Merksatz mehrmals, während ihn die fünf Gitarrenschüler leise für sich wiedergeben. Tobias ist durch die Trierer Ehrenamtsagentur auf den treffpunkt am weidengraben (taw) aufmerksam geworden: „Ich spiele schon ziemlich lange selber Gitarre und habe mich auch schon länger fürs Unterrichten interessiert“, sagt er. Seit Anfang Juni unterrichtet er nun jeden Donnerstag Menschen, die das Gitarrenspiel erlenen wollen. Ein eigenes Instrument müssen sich die Schüler aber nicht direkt anschaffen, denn durch die Projektförderung von der Partnerschaft für Demokratie konnten fünf neue Sechssaiter gekauft werden – die nun von jedem genutzt werden dürfen.


Kontakte und Freundschaften


Die Psychologin Jennifer Ries arbeitet als Flüchtlingsbegleitung beim taw und ist maßgeblich für das Gitarrenprojekt verantwortlich. „Ich habe eine Bedarfsabfrage gestellt und dabei festgellt, dass viele Flüchtlinge großes Interesse an Musikinstrumenten haben“, erklärt sie die Idee für den wöchentlichen Kurs. Das Praktische daran: Niemand muss sich für den Kurs anmelden, sondern jeder kann kommen, wann er Zeit und Lust hat. Ob derjenige als Flüchtling in Trier lebt oder hier aufgewachsen ist, spielt keine Rolle, denn es gehe bei dem Projekt konkret darum – so Jennifer Ries – Begegnungen zu ermöglichen: „So entstehen dann auch Kontakte und Freundschaften“.
In regem Austausch stehen auch die Schüler, die am heutigen Kurs teilnehmen. Direkt neben der Kegelbahn üben sie die neuen Griffe und geben sich gegenseitig Tipps. Bei Sprachproblemen könne jederzeit ein Dolmetscher gerufen werden, wie Jennifer Ries betont, denn der säße eine Etage oben drüber. Aber für heute reicht die Musik als gemeinsame Sprache völlig aus.
Der Gitarrenkurs im Jugendzentrum Auf der Höhe wurde im Jahr 2016 durch die Partnerschaft für Demokratie gefördert. Die Partnerschaft für Demokratie ist Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

MutterKindGruppeBTNJeden Donnerstag verwandelt sich der helle Raum im Bürgerhaus Trier-Nord zu einem interkulturellen Treffpunkt. Bei dem von der Partnerschaft für Demokratie geförderten Projekt „Flinke Nadel“ können sich Frauen und Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund zum Stricken, Häkeln und Nähen treffen.

Die Mitinitiatorin des Projekts und ehemalige Berufsschullehrerin Hiltrud Weyand erzählt, dass ihr die Idee aufkam, als ihr eine Frau aus Syrien einen selbstgestrickten Pullover schenken wollte. Nun wird die gemeinsame Begeisterung für Handarbeiten genutzt, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Besonders über die Themen Ernährung und Erziehung komme man dabei schnell ins Gespräch, berichtet Hiltrud Weyand. Bernd Weihmann, zuständig für die Gemeinwesenarbeit im Bürgerhaus Trier-Nord, betont, dass besonders dieser Kontakt zwischen Flüchtlingen und Bürgerinnen der Stadt im Vordergrund stehe. Außerdem sei durch die finanziellen Mittel des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sichergestellt, dass die „Flinke Nadel“ regelmäßig stattfinden könne. Wie viele Frauen an den Treffen teilnähmen, sei dabei höchst unterschiedlich, erläutert Weihmann. Zum festen Kern zähle er aber rund 15 Personen, von denen knapp die Hälfte über einen Migrationshintergrund verfüge.

 

Mehr als Handarbeit

Schaut man sich an diesem Nachmittag in dem großen Raum um, wird aber schnell deutlich, dass die gemeinsame Freude an der Handarbeit bei der „Flinken Nadel“ nur einer von vielen Aspekten ist. Bei Kaffee, Muffins und syrischem Pistazienkuchen wird viel geredet und gelacht. Am anderen Ende des Raumes bringt Hiltrud Weyands Ehemann einigen Kindern Bruchrechnen und das Einmaleins bei. Einer Mutter erklärt er, dass er sich erkundigt habe und ihre beiden Kinder im neuen Schuljahr dieselbe Klasse besuchen werden. Die Frau ist sichtlich erfreut. Nicht weit davon entfernt spielt eine andere Frau eine Runde Mensch ärgere Dich nicht mit einem kleinen Jungen.

Und auch wenn es dabei gar nicht so wirkt, fiebern sie hier alle auf einen Termin ganz besonders hin: Am 29. Oktober feiert das Café Welcome nämlich sein 18-monatiges Jubiläum. Auf einem Basar sollen die bis dahin hergestellten Textilerzeugnisse dann auch verkauft werden.

Das Projekt „Flinke Nadel“ wird durch die Partnerschaft für Demokratie gefördert. Die Partnerschaft für Demokratie ist Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

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Cafe Welcome Euren

 

Im Garten hinter dem Druckwerk in Trier-Euren hat Heidi Weis, die Initiatorin des Cafés, ein Seil zwischen zwei Bäumen gespannt. Ein kleiner Junge wagt den Balanceakt zuerst. Dabei unterstützen ihn Heidi Weis und eine ehrenamtliche Helferin des Eurener Lerncafés.

Im Café haben die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer Kuchen, Café und andere Getränke und Leckereien bereit gestellt. Nach und nach füllt sich der Raum: BesucherInnen und Ehrenamtliche begrüßen sich herzlich, erste lebhafte Gespräche kommen auf. Das Lerncafé ist mehr als ein Café, es bietet interessierten MigrantInnen und Geflüchteten ein erstes Kennenlernen mit den Menschen im Stadtteil und der deutschen Sprache.

„Da würde jeder Deutschlehrer verzweifeln“, scherzt Heiner Finke. Der Ingenieur bietet im Lerncafé Trier-Euren Sprachkurse für MigrantInnen an. Dabei komme es oft vor, so betont er, dass seine Schüler aus völlig unterschiedlichen Ländern kommen: „Da sitzen dann 16 Menschen mit sechs verschiedenen Muttersprachen vor dir.“ Zusätzlich variieren ihre Deutschkenntnisse und ihre Leistungsfähigkeit sehr stark. Darum versuche man immer wieder, die Klasse in drei Lernstufen zu unterteilen. Erschwert wird dieses Vorhaben allerdings dadurch, dass niemand wissen kann, wie lange die einzelnen Personen zum Lerncafé kommen können.

Der Deutschkurs ist Teil des Eurener Lerncafés, für das sich besonders der Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz einsetzt: „Den Menschen die hier sind, denen müssen wir helfen!“ Deshalb ist das Lerncafé deutlich mehr als eine bloße Sprachschule. Geflüchtete Kinder finden hier Raum zum Spielen und Toben. Ihre Eltern können sich mit Gleichgesinnten austauschen oder neue Kontakte zu Trierern knüpfen. „Wenn wir es schaffen, den Leute eine Wohnung oder eine Arbeitsstelle zu besorgen, dann schaffen wir es dadurch, sie zu integrieren“, erklärt Schmitz. So kommt es, dass die freiwilligen Helfer nicht für bestimmte Tätigkeiten eingeplant werden, sondern anpacken, wo es nur geht. Jede Form der Unterstützung ist dabei hilfreich. Insgesamt wird das Projekt von rund 15 Ehrenamtlichen am Leben gehalten. Für Heiner Finke steht fest: „Das ist eine Stammgruppe, auf die man sich verlassen kann.“

Es sind aber nicht nur Einheimische, die sich im Lerncafé als Stütze einbringen. Geflüchtete, die selbst schon einige Erfahrung in Deutschland gemacht haben, helfen inzwischen anderen MigrantInnen ebenso bei deren alltäglichen Problemen. Das sei bitter nötig, denn an direkten Betreuern, die beispielsweise bei Behördengängen dabei sind, mangle es aktuell noch, so Finke. Besonders die Wohnungssuche für geflüchtete Familien stellt in Trier oft eine große Herausforderung dar, so sucht er aktuell ein Haus für eine Frau, die mit neun Kindern aus Syrien geflohen ist – ihren sechs eigenen und den dreien ihres Bruders. Ihr Ehemann wurde während der Flucht erschossen.

Durch das Lerncafé werden aber auch Vorurteile unter Deutschen abgebaut: „Wir spüren inzwischen eine deutlich höhere Akzeptanz im Ort“, so Hans-Alwin Schmitz, „weil die Menschen plötzlich in der Nachbarschaft wohnen oder in den Vereinen mithelfen.“ Das Eis sei gebrochen und man helfe sich gegenseitig. Heidi Weiß, die federführend für das Projekt verantwortlich ist, ist stolz auf die Arbeit: „Man wird nicht alles erreichen, aber wir haben schon viel erreicht!“

Das Lerncafé Euren wird durch die Partnerschaft für Demokratie gefördert. Die Partnerschaft für Demokratie ist Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

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Bild1 SchmackeduzchenDas Kunst und Satire ein Ausdruck von politischen Engagement sein können, wurde den Schülern*innen der Klassen zehn bis zwölf der Freien Waldorfschule und des Friedrich-Spee- Gymnasiums am vergangenen Mittwoch mithilfe des Theaterstücks "Das Schmackeduzchen" verdeutlicht. In dem Stück, dessen Aufführung vor den Schüler*innen im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durch die Partnerschaft für Demokratie Trier gefördert wurde, wird das Leben der Claire Waldoff frei nacherzählt.

Waldoff kam Anfang des letzten Jahrhunderts aus dem Ruhrpott nach Berlin. Nachdem ihr erstes Stück in der Kaiserzeit der Zensur zum Opfer fiel, konzentrierte sie sich auf subversive Satire und brachte es in der Hauptstadt zu einiger Berühmtheit. Bis heute bekannt sind Lieder der Künstlerin wie "Wer schmeißt denn da mit Lehm?" und "Nach meene Beene is ja janz Berlin verrückt".

Wie aktuell das Wirken der Künstlerin auch heute noch ist, machte Drehbuchautor und Regisseur Carsten Müller im Gespräch mit den Schüler*innen deutlich. So habe sie sich schon früh für die Emanzipation der Frauen, auch im politischen Bereich, eingesetzt und den Schönheitswahn der Weimarer Jahre kritisiert. Außerdem wurde in der Diskussion ihre Freundschaft zu dem Schriftsteller Kurt Tucholsky thematisiert, dessen Ausführungen mit dem Titel "Was darf Satire?" derzeit kaum aktueller sein könnten. Für einen Schüler stand dabei fest: "Satire ist auch Ausdruck von Kunst und Kunst darf schon relativ viel".

Ihre politische Einstellung und die gleichgeschlechtliche Beziehung zu Olga von Roeder wurde Claire Waldoff in der Nazizeit zum Verhängnis, weshalb sie Berlin Anfang der 40er Jahre verlassen musste und sich still im ländlichen Bayern niederließ, wo sie Ende der 50er in Armut verstarb.

 

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Abb: Katja Büdinger und Johannes Metzdorf.