Im Rahmen der Vortragsreihe „Gegen das Vergessen“ kamen am Abend des 19.Oktober 2017. rund 30 Menschen in einem gemütlichen Sitzkreis in der KSJ zusammen, um an der bewegenden NS-Geschichte der Zeitzeugin Henriette Kretz aus Antwerpen teilzuhaben. Organisiert wurde die Veranstaltung von der SJ- Falken Stadtverband Trier.

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„Ist es in Ordnung, wenn ich zwischendurch ein paar Fotos von dir mache?“, fragt Max Basin vor Beginn. „Okay, aber nur schöne!“, antwortet Henriette Kretz pfiffig. Die 83-jährige, die 1934 in eine jüdische Familie in Stanislawów, damals Polen, heute Iwano-Frankiwsk in der Ukraine, geboren wurde, erzählte uns im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gegen das Vergessen...dass Auschwitz nicht noch einmal sei!“ ihre persönliche, bewegende Geschichte in der NS-Zeit. Ihre Freunde sowie der Großteil ihrer Familie wurde während des Zweiten Weltkrieges von Nationalsozialisten ermordet. Seit Jahren setzt sie sich nun über Vorträge wie diese in Schulen und Gemeinden dafür ein, die Erinnerung an die NS-Zeit aufrecht zu erhalten. Unterstützt wird sie dabei vom Maximilian-Kolbe-Werk.

Dass Henriette Kretz auch im Alter von 83 Jahren noch zu Scherzen aufgelegt ist, bewies sie an diesem Abend immer wieder. So erzählte sie uns zunächst, dass sie sich stets freut im Dialog mit jungen Menschen zu stehen. Auch als sie uns wissen ließ, sie sei damals der festen Überzeugung gewesen, dass ihre Großmutter eine Hexe sei, als sie sah wie diese ihre Zähne auszog und in einen Becher legte, sorgte dies für einen lauter Lacher in der gemütlichen Runde.


Dennoch ging es in erster Linie um ein sehr trauriges, bewegendes Thema. Henriette Kretz ließ uns detailliert an ihrer Geschichte während der NS-Zeit teilhaben. Schockiert, interessiert und gebannt horchte die Runde, während sie uns erzählte, dass sie in großer Hungersnot lebte, die Juden auf jede erdenkliche Weise ausgegrenzt wurden und sie letztlich den Gedanken hatte, lieber zu verhungern als erschossen zu werden. Nie habe sie sich so einsam gefühlt und war sich zu jeder Zeit darüber im Klaren, dass ihr Leben fremdbestimmt ist. Nach der Ermordung ihrer Eltern konnte sie in ein Waisenhaus fliehen – eine Flucht, die ihr letztendlich das Leben rettete.

Man merkte ihr stets an, worauf sie mit ihren Erzählungen hinauswollte: Hass, Ausgrenzung und Verurteilung - all das spielte während der NS-Zeit eine tragende Rolle. Leider ist dies auch in der heutigen Gesellschaft noch immer der Fall. „Wir haben ein Problem, das gelöst werden muss“, mahnte sie. „Hass hat noch immer keine Grenze. Wenn er nicht die Juden trifft, dann die Moslems.“ Wenn sie sehe, was sich in der Welt tut, bekomme sie es mit der Angst zu tun. Das Einzige, was in solchen Zeit hilft, ist das Zusammenschließen und das gemeinsame Handeln und Einsetzen gegen Extremismus. Diese Ansicht betonte Henriette Kretz unentwegt und stieß damit auf ein einstimmiges Nicken ihrer ZuhörerInnen.

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„Ich hätte Ihnen gerne etwas Schöneres erzählt. Aber Sie sehen – es geht mir gut.“ Ja, es geht ihr heute gut, das merkten wir alle. Dennoch wurde uns allen durch diese Geschichte klarer denn je, dass wir uns weiter und noch stärker gegen Extremismus einsetzen müssen. „Welchen Rat können Sie uns im Kampf gegen Extremismus geben?“, fragte Melanie Breinig von der Partnerschaft für Demokratie in der Fragerunde am Ende des Vortrages. Henriette Kretz erwiderte: „Ich kann Ihnen ein Rezept für eine gute Suppe geben. Aber leider nicht dafür, wie man Menschen überzeugt.“ Dies bleibt nach wie vor unsere größte Herausforderung. Menschen wie Henriette Kretz zeigen uns, dass Projekte gegen Rechtsextremismus notwendiger sind denn je, und vor allen Dingen – dass wir nie aufhören dürfen, über die NS-Zeit aufzuklären, um stets die Hoffnung zu wahren, dadurch Ähnliches oder Schlimmeres verhindern zu können.

Das Projekt des Jugendforums wird durch die Partnerschaft für Demokratie gefördert. Diese ist Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Vortrag NSU

Der Prozess zu der NSU-Mordserie läuft noch. Zu einem von der PfD geförderten Vortrag kam   Dr. Anna Luczak nach Trier, um über den bisherigen Erkenntnisstand zu referieren. Die Juristin tritt bei dem Verfahren als Anwältin in der Nebenklage auf und zeichnete vor allem das politische Umfeld zur Zeit der NSU-Gründung nach. Die Neunziger Jahre seien dabei vor allem durch eine lasche Verfolgung von rechtsextremistischen Gewalttaten geprägt gewesen, was dazu geführt habe, dass eben solche Gewalt stark zunahm. Die bekannten Mitglieder des NSU tauchten 1998 unter und bekamen dabei – so geben es zumindest die Beweise her – tatkräftige Unterstützung von drei Dutzend Neonazis aus Thüringen und Sachsen. Einige Ungereimtheiten lassen darauf schließen, dass der Verfassungsschutz in dieser Zeit zumindest nicht genau hingesehen und rechtzeitig eingegriffen hat.
Die Verwicklungen und Fehler von staatlichen Behörden während der Mordserie zieht sich wie ein roter Faden durch den Prozess. Gleichzeitig ermittelte der Generalbundesanwalt gar nicht in diese Richtung. Institutioneller Rassismus spielt für ihn offensichtlich keine entscheidende Rolle in dem Vorgang. Man halte daran fest, dass nur das bekannte Trio um Beate Zschäpe in die Taten involviert gewesen sei. Dabei sei es – so die Anwältin – gerade jetzt wichtig, dass diese Strukturen endlich aufgedeckt würden, weil aus dem vermeintlichen Netzwerk um den NSU weiterhin eine hohe Gefahr ausginge: „die Ideologie gibt es, die Gruppen gibt es.“


Die Partnerschaft für Demokratie ist Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 3.10.16

 Am Montag, dem 3.10.2016 wurde im Rahmen der Agenda-Kino Reihe der Lokalen Agenda 21 Trier e.V. der Film „der Kuaför aus der Keupstraße“ gezeigt. Filmpate war der Verein für ein Buntes Trier. Durch eine Kooperation mit der Partnerschaft für Demokratie des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ konnte ein Referent der Initiative „Wir sind alle Keupstraße“ gewonnen werden.

 

20.6.2016

Bereits zum zehnten Mal fand am vergangenen Samstag das Trierer Weltbürgerfrühstück statt, das vom Verein Lokale Agenda 21 Trier e.V. initiiert wird Unter den zahlreichen Teilnehmenden fand sich auch die Partnerschaft für Demokratie Trier als lokales Bündnis innerhalb des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ wieder, die mit einem eigenen Stand vertreten war.