Die Partnerschaft für Demokratie Trier lädt ein zu der Veranstaltung "NSU und Rechtsterrorismus" (Vortrag und Diskussion). Die Veranstaltung findet am 26.01.2017, 20 Uhr im Weltladen, Pfützenstraße 1, Trier statt. Referentin ist Anna Luczak, Anwältin der Nebenklage im NSU Prozess.

P1000695

„Eine alte Dame geht heute einkaufen“. Mit diesem Satz sollen sich die Schüler des kostenlosen Gitarrenkurses im Jugendzentrum Auf der Höhe Bezeichnung der Saiten merken. Lehrer Tobias Kranz malt sie dafür auf das Flipchart und wiederholt den Merksatz mehrmals, während ihn die fünf Gitarrenschüler leise für sich wiedergeben. Tobias ist durch die Trierer Ehrenamtsagentur auf den treffpunkt am weidengraben (taw) aufmerksam geworden: „Ich spiele schon ziemlich lange selber Gitarre und habe mich auch schon länger fürs Unterrichten interessiert“, sagt er. Seit Anfang Juni unterrichtet er nun jeden Donnerstag Menschen, die das Gitarrenspiel erlenen wollen. Ein eigenes Instrument müssen sich die Schüler aber nicht direkt anschaffen, denn durch die Projektförderung von der Partnerschaft für Demokratie konnten fünf neue Sechssaiter gekauft werden – die nun von jedem genutzt werden dürfen.


Kontakte und Freundschaften


Die Psychologin Jennifer Ries arbeitet als Flüchtlingsbegleitung beim taw und ist maßgeblich für das Gitarrenprojekt verantwortlich. „Ich habe eine Bedarfsabfrage gestellt und dabei festgellt, dass viele Flüchtlinge großes Interesse an Musikinstrumenten haben“, erklärt sie die Idee für den wöchentlichen Kurs. Das Praktische daran: Niemand muss sich für den Kurs anmelden, sondern jeder kann kommen, wann er Zeit und Lust hat. Ob derjenige als Flüchtling in Trier lebt oder hier aufgewachsen ist, spielt keine Rolle, denn es gehe bei dem Projekt konkret darum – so Jennifer Ries – Begegnungen zu ermöglichen: „So entstehen dann auch Kontakte und Freundschaften“.
In regem Austausch stehen auch die Schüler, die am heutigen Kurs teilnehmen. Direkt neben der Kegelbahn üben sie die neuen Griffe und geben sich gegenseitig Tipps. Bei Sprachproblemen könne jederzeit ein Dolmetscher gerufen werden, wie Jennifer Ries betont, denn der säße eine Etage oben drüber. Aber für heute reicht die Musik als gemeinsame Sprache völlig aus.
Der Gitarrenkurs im Jugendzentrum Auf der Höhe wurde im Jahr 2016 durch die Partnerschaft für Demokratie gefördert. Die Partnerschaft für Demokratie ist Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 Drei wichtige Veranstaltungen von Akteuren der Partnerschaft für Demokratie fanden in den vergangenen Wochen statt. Im Mittelpunkt der inhaltlichen Arbeit standen dabei Beobachtungen über neue rechte Erscheinungsformen, ihre Ursprünge und mögliche Präventionsarbeit

 Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie Trier

Auf der Mitgliederversammlung des Trägervereins Für ein buntes Trier diskutierten die Anwesenden am 13. September 2016 über neue Beobachtungen innerhalb der rechten Szene: „Rechtspopulismus ist nicht die kleine Schwester von Rechtsextremismus!“, betonte Felix Eitel vom Landes-Demokratiezentrum RLP dabei. Er verwies darauf, dass sich beide Phänomene gegenseitig bedingten. Deshalb sei es besonders wichtig, rassistische Parolen als solche zu entlarven und die Verantwortlichen zur Rede zu stellen, ergänzte Thomas Kupczik, der am Abend erneut zum Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde.

Zwei Wochen darauf setzten sich die Mitglieder der Begleitausschusssitzung mit neuen Formen rechter Vereinigungen auseinander. Nicola Rosendahl, Koordinatorin des Vereins Für ein buntes Trier referierte über die Identitäre Bewegung, die zum Kreise der Neuen Rechten gezählt wird. Diese habe ihre Ursprünge im französischen Bloc identitaire, der im April 2003 gegründet wurde. Seitdem bildeten sich europaweit immer mehr Ableger der Gruppierung und auch in Trier gibt es inzwischen aktive Identitäre, führt Rosendahl weiter aus: „Wer genau dahinter steckt, wissen wir aber nicht“. Im Moment sei sie jedoch die aktivste rechte Organisation in der Region und konnte auch schon mit einigen Aktionen öffentliches Interesse auf sich ziehen.

Dritte Demokratiekonferenz in Trier

Es ist ein Problem der männlichen Identität, mit dem wir es zuerst zu tun haben“, betonte Prof. Dr. Stephan Bundschuh auf der Demokratiekonferenz am 26.10.2016. Genau deshalb seien es vor allem junge Männer, die sich bei Organisationen wie der Identitären Bewegung oder in neo-salafistischen Gruppierungen engagierten. Ihnen gemeinsam sei eine Weltanschauung, in der nicht alle Menschen gleich, sondern manche mehr wert sind als andere. Wiederkehrende Elemente in all diesen Denkmustern seien dabei Antisemitismus und autoritäre Erziehungsbilder. Aber auch die Gemeinschaft, die mal religiös, völkisch oder politisch begründet sei, spiele eine bedeutende Rolle, so Bundschuh. In ihrer ideologischen Wirkweise sei sie aber immer identisch.

Für die Teilnehmer auf der Konferenz waren die Präventions-Empfehlungen des Professors dabei von besonderem Interesse, arbeiten sie doch selbst konkret gegen menschenfeindliche Einstellungsmuster in der Gesellschaft. Vor allem die Bereitschaft zur beständigen Kommunikation, die Bundschuh empfahl, spielt bei der Partnerschaft für Demokratie eine wichtige Rolle.

Die Antragsphase läuft

 

Unter diesem Gesichtspunkt ist auch der Hinweis des federführenden Amtes und der Fach- und Koordinierungsstelle zu verstehen, die Schwerpunkte der Partnerschaft für Demokratie und der durch ihre Mitteln geförderten Projekte im kommenden Jahr auf die Auseinandersetzung mit der extremen Rechten und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu legen. Bisher wurde vor allem das dritte Leitziel der PfD – die Unterstützung einer zivilgesellschaftlichen Willkommenskultur – verfolgt. Die Antragsphase für Projekte im Jahr 2017 hat begonnen; Anträge für Projekte können bis zum 05.12.2016 gestellt werden. Die unterschrieben Papierversion des Antrags soll erst nach abgeschlossener Beratung durch die Fach- und Koordinierungsstelle an das federführende Amt gesendet werden. Die Antragsformulare sind auf der Homepage zu finden.

Die Partnerschaft für Demokratie wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Illu rein freigestellt RGB SMALL RZ

Die dritte Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie Trier (PfD) findet am 26. Oktober 2016 ab 16 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus statt. Prof. Dr. Stephan Bundschuh wird dort zum Thema „Autoritäre Einstellungen unter Jugendlichen: Erscheinungsformen, Motive, Prävention“ referieren. Seine Forschung im Bereich Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz geht von der Überlegung aus, dass der Autoritarismus ein Phänomen mit vielen Gesichtern sei. Strömungen, die gegenwärtig als politischer und religiöser Extremismus beschrieben werden, seien dabei unterschiedliche Erscheinungsformen einer autoritären Grundhaltung. Die Neue Rechte hat beispielsweise auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten mit salafistischem Extremismus. Dennoch bestehen in der ideologischen Begründung ihrer unterschiedlichen Positionen strukturelle Ähnlichkeiten. Dazu zählen die Idee der Ungleichwertigkeit von Menschen und das Bedürfnis nach starken, haltvermittelnden Hierarchien und Autoritäten. Der Frage, warum solche autoritären Strukturen für Jugendliche oft attraktiv sind, widmet sich der Referent in seinem Vortrag.

Zum Referenten:

Stephan Bundschuh forscht schon seit vielen Jahren im Bereich des Autoritarismus, der Migrationspädagogik und der Sozialraumorientierung. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf der Kinder- und Jugendhilfe. Nach seinem Studium der Fächer Philosophie, Geschichte und Soziologie an den Universitäten Stuttgart und Frankfurt am Main, promovierte er im Jahr 1998 mit der Veröffentlichung seiner Dissertation „‘Und weil der Mensch ein Mensch ist …‘: Anthropologische Aspekte der Sozialphilosophie Herbert Marcuses“. Seit dem Wintersemester 2014/15 hat er an der Hochschule Koblenz die Forschungsprofessur Prävention gegen Autoritarismus inne.

 

Die Partnerschaft für Demokratie wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

MutterKindGruppeBTNJeden Donnerstag verwandelt sich der helle Raum im Bürgerhaus Trier-Nord zu einem interkulturellen Treffpunkt. Bei dem von der Partnerschaft für Demokratie geförderten Projekt „Flinke Nadel“ können sich Frauen und Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund zum Stricken, Häkeln und Nähen treffen.

Die Mitinitiatorin des Projekts und ehemalige Berufsschullehrerin Hiltrud Weyand erzählt, dass ihr die Idee aufkam, als ihr eine Frau aus Syrien einen selbstgestrickten Pullover schenken wollte. Nun wird die gemeinsame Begeisterung für Handarbeiten genutzt, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Besonders über die Themen Ernährung und Erziehung komme man dabei schnell ins Gespräch, berichtet Hiltrud Weyand. Bernd Weihmann, zuständig für die Gemeinwesenarbeit im Bürgerhaus Trier-Nord, betont, dass besonders dieser Kontakt zwischen Flüchtlingen und Bürgerinnen der Stadt im Vordergrund stehe. Außerdem sei durch die finanziellen Mittel des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sichergestellt, dass die „Flinke Nadel“ regelmäßig stattfinden könne. Wie viele Frauen an den Treffen teilnähmen, sei dabei höchst unterschiedlich, erläutert Weihmann. Zum festen Kern zähle er aber rund 15 Personen, von denen knapp die Hälfte über einen Migrationshintergrund verfüge.

 

Mehr als Handarbeit

Schaut man sich an diesem Nachmittag in dem großen Raum um, wird aber schnell deutlich, dass die gemeinsame Freude an der Handarbeit bei der „Flinken Nadel“ nur einer von vielen Aspekten ist. Bei Kaffee, Muffins und syrischem Pistazienkuchen wird viel geredet und gelacht. Am anderen Ende des Raumes bringt Hiltrud Weyands Ehemann einigen Kindern Bruchrechnen und das Einmaleins bei. Einer Mutter erklärt er, dass er sich erkundigt habe und ihre beiden Kinder im neuen Schuljahr dieselbe Klasse besuchen werden. Die Frau ist sichtlich erfreut. Nicht weit davon entfernt spielt eine andere Frau eine Runde Mensch ärgere Dich nicht mit einem kleinen Jungen.

Und auch wenn es dabei gar nicht so wirkt, fiebern sie hier alle auf einen Termin ganz besonders hin: Am 29. Oktober feiert das Café Welcome nämlich sein 18-monatiges Jubiläum. Auf einem Basar sollen die bis dahin hergestellten Textilerzeugnisse dann auch verkauft werden.

Das Projekt „Flinke Nadel“ wird durch die Partnerschaft für Demokratie gefördert. Die Partnerschaft für Demokratie ist Teil des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

BMFSFJ DL mitFoerderzusatz RZ